ÜBER DAS HANDBUCH HINAUS:
DAS POTENZIAL VON API’s UM MEHR BÜHNENSICHERHEIT ZU ERREICHEN

Abstract

In der Veranstaltungsbranche werden zunehmend hochkomplexe Beleuchtungstechniken eingesetzt, deren photometrische und sicherheitsrelevante Daten oft nur schwer zugänglich sind. Dieses Papier untersucht, wie die Bereitstellung dieser Informationen über standardisierte APIs (Application Programming Interfaces) die Arbeitsabläufe optimieren und die Sicherheit verbessern könnte.
Es analysiert die aktuellen Herausforderungen bei der Zugänglichkeit von Daten und zeigt konkrete Lösungen für eine maschinenlesbare Datenbereitstellung auf. Die Ergebnisse zeigen, dass eine API-basierte Bereitstellung von Gerätedaten nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch eine fundiertere Risikobewertung ermöglichen und damit die Sicherheit im Bereich der Veranstaltungstechnik verbessern würde.

1. Einführung

Die Bühnentechnik ist eine hochmoderne Technologie. Moderne Scheinwerfer bieten unzählige Möglichkeiten für die Lichtgestaltung, aber wer mit ihnen arbeitet, weiß: Die wirklich wichtigen Daten sind oft schwer zugänglich. Photometrische Werte wie Lichtstrom, Abstrahlwinkel oder Beleuchtungsstärken finden sich in Handbüchern verstreut, manchmal unvollständig, gerundet oder in verschiedenen Darstellungsformaten. Noch komplizierter ist die Situation bei sicherheitskritischen Informationen, die oft in eigenen Dokumenten wie Sicherheitshandbüchern versteckt sind.

Was ist das Problem? Die Fachleute vor Ort – sei es der Lichttechniker, der Teamleiter, der Beleuchtungsmeister oder der Inspizient – haben keine Zeit, sich durch Dutzende von Seiten zu kämpfen. Die Daten müssen schnell, einheitlich und zuverlässig zugänglich sein, insbesondere für eine fundierte Risikobewertung. In diesem Dokument wird untersucht, wie die Bereitstellung von photometrischen und sicherheitsrelevanten Daten über eine API (Application Programming Interface) die Zugänglichkeit verbessern und damit die Sicherheit bei Veranstaltungen erhöhen könnte.

 
2. Aktuelle Herausforderungen bei der Zugänglichkeit von Daten.

2.1 Uneinheitliche Datenformate und Datendarstellungen

Ein großes Problem in der heutigen Praxis ist die uneinheitliche Darstellung von Messwerten. Einige Hersteller geben die Beleuchtungsstärke an, andere die Lichtstärke oder den Lichtstrom. Außerdem stellen einige Anbieter eine Mischung aus Daten verschiedener photometrischer Werte zur Verfügung, was den Vergleich noch schwieriger macht und die Fachleute vor die Herausforderung stellt, diese verschiedenen Daten für ihre Arbeit einheitlich zu interpretieren. Diese Uneinheitlichkeit erschwert einen direkten Vergleich.

2.2 Fehlende Standardisierung

Derzeit gibt es keine einheitliche Richtlinie für die Bereitstellung von photometrischen Daten im Veranstaltungsbereich. Während das sichtbare Spektrum von etwa 380 bis 780 Nanometern standardmäßig dokumentiert wird, fehlen oft Informationen über die Strahlung jenseits dieser Grenzen – obwohl gerade diese für die photobiologischen Risiken relevant ist (1). Die Berufsgenossenschaften legen den Bereich von 100 Nanometern bis 1 Millimeter fest, da auch unsichtbare Strahlung schädliche Auswirkungen haben kann (2).

2.3 Genauigkeit und Vollständigkeit der Daten

Ein weiteres Problem ist die Genauigkeit der veröffentlichten Daten. Die Hersteller runden ihre Daten  – meist nach oben -, was genaue Berechnungen erschwert. Die rohen Messdaten sind oft vertraulich und werden nicht offengelegt. Dies führt zu einer Situation, in der Fachleute mit ungenauen oder unvollständigen Werten arbeiten müssen, was besonders bei der Risikobewertung problematisch ist.

2.4 Spektraldarstellung und wissenschaftliche Aktualität

Die Darstellung des  Lichtspektums vieler Bühnenscheinwerfer wird in den Bedienungsanleitungen oft nur auf einer normierten Skala auf der Y-Achse angegeben, anstatt die tatsächliche Energie der Strahlung zu berücksichtigen (3). Darüber hinaus entwickelt sich die wissenschaftliche Forschung zur Physiologie des Auges ständig weiter. Beispielsweise zeigen neue Erkenntnisse über die Ganglienzellen der Netzhaut, dass bestehende Sicherheitsbewertungen regelmäßig überprüft werden müssen (4).

 
3. Das Potenzial von APIs für die Bühnentechnik

3.1 Grundlegendes Konzept

Eine API (Application Programming Interface) könnte viele der beschriebenen Probleme lösen. Anstatt manuell in Tabellen oder PDFs nach Werten zu suchen, könnten Maschinen die relevanten Daten direkt abrufen und verarbeiten.

3.2 Konkrete Vorteile

Die Implementierung einer standardisierten API würde mehrere entscheidende Vorteile bieten: Lichttechniker könnten mithilfe einer einfachen Anwendung in Sekundenschnelle die Sicherheitsrisiken eines Produktes überprüfen, was die Effizienz ihrer Arbeit erheblich steigern würde. Die Datenqualität würde sich erheblich verbessern, da die exakten Rohmessdaten standardisiert abgefragt werden könnten, ohne Interpretationsspielraum oder Rundungsfehler zuzulassen. Was die Sicherheit betrifft, so könnten die Auswertungen mithilfe einer Software durchgeführt werden, wodurch Fehleinschätzungen minimiert würden. Darüber hinaus würde eine einheitliche API einen objektiven Vergleich von Scheinwerfern verschiedener Hersteller ermöglichen. Schließlich bieten standardisierte API-Formate Fachleuten die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln eigene Anwendungen oder Tabellen zu erstellen, um die Daten spezifisch für ihre individuellen Anforderungen zu analysieren und darzustellen.

3.3 Integration in bestehende Systeme

Besonders wertvoll wäre die Integration dieser API-Daten in gängige Visualisierungs- und Planungssoftware wie Capture Sweden, Wysiwyg oder Vectorworks. So könnten sicherheitsrelevante Informationen bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.


4. Anwendungsszenarien und Fallbeispiele

4.1 Echtzeitanalyse während des Aufbaus

Stellen wir uns eine typische Situation bei einer Veranstaltung vor: Das Team installiert eine neue Bühnenbeleuchtung und es wird ein Scheinwerfer mit unbekannten photometrischen Eigenschaften verwendet. Anstatt das gesamte Handbuch zu durchsuchen, ruft eine Anwendung die photometrischen Daten gezielt über die API ab und zeigt in Echtzeit eine Schätzung der Lichtintensität und der potenziellen Risiken, einschließlich UV- oder IR-Emissionen, an.

4.2 Kollaborative Sicherheitsbewertung

Wenn es einen Fehler oder eine Unstimmigkeit in der Risikobewertung gibt, können auch Teammitglieder, die keine direkte Verantwortung tragen, auf diese Informationen zugreifen, sie teilen und kritisch hinterfragen. Dies schafft durch die kollektive Überprüfung ein zusätzliches Maß an Sicherheit.

 4.3 Intuitive Darstellung von Risiken

Einige Scheinwerfer verfügen bereits über Grafiken zur Risikobewertung auf ihren Gehäusen. Diese zeigen oft eine Glühbirne auf der linken Seite, ein Auge auf der rechten Seite und verschiedene Risikoklassen dazwischen. Diese Darstellung könnte durch API-basierte Anwendungen wesentlich intuitiver gestaltet werden, z. B. durch die Integration von klar erkennbaren Symbolen und Farbcodes, auf die bei der Gestaltung der meist schwarzen Gehäuse aus ästhetischen Gründen bewusst verzichtet wurde.


5. Technische Umsetzung und Standardisierung

5.1 API-Spezifikationen

Für eine erfolgreiche Umsetzung wäre es notwendig, einen branchenweiten Standard für die Spezifikation der API festzulegen. Dieser sollte die folgenden Aspekte abdecken:

o   Einheitliche Datenformate für photometrische Werte.

o   Standardisierte Messmethoden und -einheiten.

o   Vollständige spektrale Informationen, einschließlich der unsichtbaren Strahlung.

o   Mechanismen zur Versionierung und Aktualisierung

5.2 Datensicherheit und Zugänglichkeit

Bei der Entwicklung einer API müssen auch Aspekte der Datensicherheit und der Zugänglichkeit berücksichtigt werden:

o   Authentifizierung und Autorisierung

o   Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit

o   Offline-Funktionalität für Umgebungen ohne Internetverbindung.

o   Mechanismen zur Aktualisierung von Sicherheitsinformationen


6. Herausforderungen und Lösungsansätze

6.1 Akzeptanz im industriellen Maßstab

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, einen Standard auf Industrieebene zu etablieren. Dazu wäre eine Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Normungsorganisationen und Berufsverbänden erforderlich. 

6.2 Alte Geräte und Kompatibilität

Für Geräte ältere Hersteller ohne direkte API-Unterstützung könnten zentrale Datenbanken eingerichtet werden, die rückwirkend die benötigten Informationen bereitstellen.

6.3 Rechtliche Aspekte

Die Bereitstellung von Sicherheitsinformationen unterliegt rechtlichen Rahmenbedingungen, wie z. B. der europäischen Maschinenrichtlinie (2006/42/EG) (5), die bereits die Bereitstellung einer Betriebsanleitung vorschreibt. Eine Ergänzung oder Anpassung dieser Richtlinien könnte die Bereitstellung von API-Daten rechtlich verankern.


7. Schlussfolgerung und Ausblick

Die Bereitstellung maschinenlesbarer Daten über eine API ist ein längst überfälliger Schritt in der Beleuchtungsbranche. Sie würde nicht nur die Arbeit der Fachleute erleichtern, sondern auch die Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern. Anstatt mit veralteten, ungenauen oder verstreuten Informationen zu arbeiten, könnten Lichttechniker jederzeit auf exakte, aktuelle und standardisierte Daten zugreifen.

Die Zukunft der Bühnentechnik liegt in der digitalen Vernetzung und Automatisierung. Eine standardisierte API für photometrische und sicherheitsrelevante Daten wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Die Branche steht vor einer Entscheidung: Weiterhin mit PDFs kämpfen oder endlich den Schritt in die Zukunft wagen?
Die Antwort liegt auf der Hand.


Quellennachweise

1            Internationale Beleuchtungskommission (CIE): Standarddefinitionen des sichtbaren Spektrums
2            TU-Ilmenau
3            Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB): Empfehlungen zur Messung optischer Strahlung
4            Chronobiology International: Studie zur Rolle der Ganglienzellen in der Lichtwahrnehmung
5            EU-Richtlinie 2006/42/EG (Maschinenrichtlinie): Verpflichtung zur Bereitstellung einer Bedienungsanleitung

Wichtige Information zur kostenfreien Nutzung des Textes/Papers:
Die Voraussetzung für die unentgeltliche Nutzung unseres Textes/Papers ist, dass der Hinweis auf die Herkunft sowie der entsprechende Link nicht entfernt, verändert oder ersetzt werden. Dies gilt auch bei der teilweisen Übernahme von Inhalten