DQR/SQQ-Programm Lichtoperatoren: Eine kritische Betrachtung

Die Einführung eines neuen standardisierten Qualifikationsprogramms für Lichtoperatoren im Veranstaltungswesen könnte gut gemeint sein, erscheint jedoch in vielen Aspekten nicht auf die berufliche Realität abgestimmt. Anstatt die bestehende, praxisorientierte Ausbildung sinnvoll zu ergänzen, besteht das Risiko, dass eine zusätzliche Qualifikation die natürliche Vielfalt und den Zugang zum Beruf des Lichtoperators unnötig einschränkt. Diese Einschätzung basiert auf mehreren Überlegungen, die mögliche Nachteile eines solchen Programms verdeutlichen.

Ein zentrales Problem eines solchen Programms könnte die Gefahr sein, dass formale Zulassungsbeschränkungen potenzielle Quereinsteiger ausschließen. Der Beruf des Lichtoperators wurde in den letzten Jahrzehnten maßgeblich von Quereinsteigern geprägt, deren unterschiedliche Hintergründe die Branche mit einer beeindruckenden Vielfalt bereichert haben. Ein zusätzlicher formaler Qualifikationsweg könnte dieses kreative und diverse Fundament untergraben, indem es den Zugang auf standardisierte Bildungswege beschränkt und jene Menschen außen vor lässt, die durch ihre Erfahrungen und ihren einzigartigen Zugang zur Lichttechnik erheblich zum kreativen Spektrum beitragen. Um die bunte, kreative Vielfalt des Berufs zu erhalten, ist es essenziell, den Zugang offen und flexibel zu halten, statt ihn durch formale Anforderungen zu beschränken.

Die Frage nach der Lehrkompetenz ist jedoch entscheidend, denn das Wissen und die Kompetenzen, die weitergegeben werden, beeinflussen nachhaltig die Qualität der Ausbildung. Ohne eine klare Regelung der Qualifikation der Lehrenden besteht die Gefahr, dass theoretische Inhalte im Vordergrund stehen und praxisfernes Wissen vermittelt wird, das an den realen Anforderungen des Berufs vorbeigeht. Gerade im Bereich der Veranstaltungstechnik, der stark praxisorientiert ist, sollten Lehrende über umfassende Berufserfahrung verfügen, um fundiertes, realitätsnahes Wissen vermitteln zu können.

Ein weiterer Punkt ist der potenzielle Fokus auf komplexe theoretische Inhalte, die im Berufsalltag eines Lichtoperators möglicherweise nur selten relevant sind. Der Beruf lebt von praktischen Fähigkeiten und kreativem Denken und nicht von einer übermäßigen Theoretisierung. Der Fokus auf solche theoretischen Anforderungen lenkt von den tatsächlichen Anforderungen ab und läuft Gefahr, einen praxisorientierten Beruf unnötig zu akademisieren. In der Praxis wird das erforderliche technische Wissen kontinuierlich durch gezielte Schulungen und praktische Erfahrung erworben, was eine deutlich praxisnähere und effektive Lernmethode darstellt.

Ebenso ist zu bedenken, dass die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik bereits an deutschen Berufsschulen stattfindet und dabei den Auszubildenden ein fundiertes Wissen in allen wesentlichen Bereichen vermittelt wird – einschließlich der Lichttechnik. Die Ausbildung versetzt die Absolventen in die Lage, Veranstaltungen zur vollen Zufriedenheit von Kunden und Arbeitgebern umzusetzen. Ein zusätzliches Programm wäre daher eine unnötige Verdopplung, die keine signifikante Verbesserung der Ausbildungsqualität verspricht, sondern vielmehr Kosten und Aufwand erhöht, ohne klaren Mehrwert für die Berufspraxis zu bieten. Der bereits etablierte Ausbildungsweg bereitet die Fachkräfte adäquat auf ihre Aufgaben vor, sodass zusätzliche Qualifikationsanforderungen überflüssig erscheinen. Die Spezialisierung zum Lichtoperator sollte direkt in den Betrieben stattfinden, da hier die Nähe zur Praxis gewährleistet ist und die Techniker unmittelbar mit dem neuesten Material, den spezifischen Anforderungen der Branche und den sich schnell wandelnden Technologien vertraut gemacht werden können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die falsche Wahrnehmung der Rolle des Lichtoperators. In der Praxis ist der Lichtoperator nicht nur eine unterstützende Kraft, sondern oft ein integraler Teil des kreativen Teams. Der Lichtoperator arbeitet zwar unter der Leitung des Lichtdesigners, bringt jedoch seine eigene künstlerische Perspektive und Expertise in die Gestaltung der Lichtsetzung ein. Die enge Zusammenarbeit mit anderen kreativen Fachkräften erfordert eine hohe Flexibilität und die Fähigkeit, kreative Entscheidungen zu treffen und anzupassen. Die strikte Trennung der Aufgabenbereiche und die Reduktion des Lichtoperators auf eine rein technische Funktion verkennt diese Realität und gefährdet die notwendige Teamarbeit und die kreative Kooperation in der Veranstaltungswirtschaft. Statt isolierter Qualifikationswege sollten der Zugang und die Förderung dieser praxisbezogenen Kreativität weiterhin offen gestaltet werden.

Abschließend ist zu betonen, dass der Beruf des Lichtoperators – gerade durch seine enge Verflechtung von Technik und Kreativität – auf eine flexible, praxisnahe Ausbildung angewiesen ist. Eine standardisierte und formalisierte Qualifikation könnte die Anpassungsfähigkeit und die Diversität der Branche nachhaltig beeinträchtigen. Statt zusätzliche Zugangshürden zu schaffen, sollte die Ausbildung auf flexiblen, praxisorientierten Weiterbildungen basieren, die die kreative Entfaltung und die berufliche Realität widerspiegeln und den spezifischen Anforderungen der sich schnell wandelnden Veranstaltungsbranche gerecht werden.

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